Es geht um das Kauferlebnis

SZ-Landkreisausgaben

  • 06.08.14
  • München

Drei Traditionsunternehmen gründen Azubi-College

Sie kämpfen mit den selben Problemen, nun suchen sie nach einer gemeinsamen Lösung: drei Münchner Traditionsunternehmen, die es trotz der harten Konkurrenz durch den Internethandel und internationale Filialisten wie Zara und H&M geschafft haben, mit ihren Ladengeschäften in der Münchner Fußgängerzone zu bleiben – dem teuersten Pflaster Deutschlands. Um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten, haben sich Betten Rid, der Haushaltswarenhändler Kustermann und der Schreibwaren-Spezialist Kaut-Bullinger zusammengetan. Sie wagen nun ein Experiment, für das es bisher in Deutschland kein Vorbild gibt: In einem ein Jahr dauernden „Azubi College“ wollen sie ihre Auszubildenden von Septemberan unternehmensübergreifend auf den Job als Einzelhandelskaufleute vorbereiten, intensiver und nachhaltiger als bislang – und noch stärker auf den Charakter eines Traditionshauses fokussierend, heißt es bei den Unternehmen.

Das Credo ist: Für einen besonderen Service braucht man eine besondere Ausbildung.

Doch was bedeutet das? Für Robert Waloßek, den Geschäftsführer von BettenRid, ist die Antwort eindeutig: „Was uns als Familienunternehmen von Konzernen unterscheidet, ist das Kauferlebnis, das wir dem Kunden bieten können“, sagt er. Wenn er seine Vorstellung von „Kauferlebnis“ beschreibt, gerät Waloßek ins Schwärmen. Man wolle dem Kunden „einen einzigartigen Tag bescheren und ihm einen Service über alle Maßen hinaus bieten, wie er ihn nirgends sonst bekommt.“ Jedes Traditionsunternehmen müsse etwas tun, um die Innenstadt „unvergleichbar“ zu machen, für Münchner wie für Touristen. Dies ist allerdings ein Trend, der im stationären Handel derzeit ebensoweit verbreitet ist wie die Idee, die selbe Marke über mehrere Kanäle zu verbreiten, „Multichannel-Strategie“ genannt.
Einen besonders guten Service zubieten, setzt eine besondere Ausbildung voraus.
Es gehe um Kompetenz und Engagement im Verkaufsgespräch und in der Beratung, sagt Waloßek. In der Berufsschule allein könne das den Auszubildenden nicht vermittelt werden. Diese Lücke soll jetzt das „Azubi College“ mit vier bis sechs Terminen im Monat schließen. „Wir wollen im ersten Ausbildungsjahr einen Schwerpunkt auf die Persönlichkeits- und Team-Entwicklung legen“, so Waloßek, der auch für Kustermann und Kaut-Bullinger spricht. Im Vordergrund stehe dabei, den Azubis den Übergang von der Schule ins Berufsleben zu erleichtern und von Anfang an zu vermitteln, „wie viel Spaß der Job macht und
wie attraktiv er ist“.

Die fünf Ausbildungsplätze bei Betten Rid sind schon vergeben. Bei Kustermann und Kaut-Bullinger gebe es aber noch freie Plätze für eine Ausbildung von September an. Auch für das nächste Ausbildungsjahr könne man sich schon jetzt bewerben. Finanziell unterstützt werden die drei Unternehmen bei ihrem gemeinsamen Projekt von der Rid-Stiftung, die den bayerischen Einzelhandel fördern will. Für den ersten Azubi-Jahrgang übernimmt die Stiftung zwei Drittel der Kosten. Gelingt das Experiment, wollen die Unternehmen das „Azubi-College“ im kommenden Jahr komplett selbst tragen. „Auch wenn das Azubi-College eine höhere Investition in jeden einzelnen Auszubildenden bedeutet, wissen wir um den Mehrwert für das Unternehmen und unseren Nachwuchs“, sagt Robert Waloßek.
Neben dem Ausbildungsprojekt versuchen die Unternehmen auch mit weiteren Bemühungen, ihre hochgesteckten Ziele zu erreichen. Bei Betten Rid arbeite man daran, mehr „Raum für Individualisierung“ zu schaffen, sagt Waloßek. Zu diesem Zweck wurden ein Maß-Atelier für Stoffe und mehrere vollständig möblierte Räume geschaffen, die den Kunden Vorschlägezeigen sollen, statt nur Waren zu präsentieren. Zudem will das Bettenhaus ein Café im ersten Stock eröffnen. Dort soll der Kunde verschnaufen können – und auf den Trubel in der Fußgängerzone hinab blicken.

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